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9 Tipps gegen Schreibblockaden: so überlistest du die Leere

In Zeiten, in denen Content tatsächlich King wird, nimmt man sich vor, jetzt auch richtig gute Texte für die eigene Website, für den Blog oder für soziale Netzwerke zu schreiben. Wenn man dann aber am Bildschirm sitzt und die weiße Seite des leeren Word-Dokuments einen vorwurfsvoll anstarrt, schlägt sie gnadenlos zu: die Schreibblockade. Wie soll ich nur anfangen? Was wollte ich nochmal sagen und wie formuliere ich das so, dass auch jemand Lust hat, mein Werk zu lesen? Nach gefühlt 100 geschriebenen und wieder gelöschten Sätzen ist das Blatt immer noch leer und man fragt sich langsam, wie man eigentlich auf die Idee gekommen ist, unter die (professionellen) Schreiber zu gehen. Aber keine Sorge: Hilfe ist unterwegs.

Ran an den Speck

Vorweg vielleicht ein Trost: Das passiert auch Profis. Jeder Journalist, Redakteur, Profi-Blogger oder Agentur-Texter kennt diese Situation. Man bekommt einfach keinen Zugang zum Thema, man kann sich in die Zielgruppe nicht richtig einfühlen oder man hat schlicht und einfach keine Idee. Nur Leere im Kopf. Woher kommt das und was kann man dagegen tun?

Woher kommt das?

Schreibblockaden können verschiedene Ursachen haben. Meistens entstehen sie aus einer der folgenden Situationen:

  1. Der Berg ist zu hoch („OhGottohGott! Ich soll bis nächste Woche zwölfunddreißig Seiten über die Entstehung des Universums schreiben!?“)
  2. Die Zeit macht Druck („…kannst du mal eben bis heute Abend 1000 Wörter über Amerikanische Alligator-Schnappschildkröten einschieben? Aber echt mit Mehrwert, bitte!“)
  3. Das Thema packt einen einfach nicht („Sorry, aber bei Wrestling bin ich raus!“)
  4. Das Thema packt einen zu sehr und man will viel zu viel Wissen in den Text packen. („Wooow! Ich mach jetzt mal so einen richtigen Rundumschlag zum Thema Schildkrötenpflege!“)
  5. Der innere Kritiker wird frech („Das wird eh nix! Du kannst gar nicht schreiben, konntest du noch nie, was machst du eigentlich hier…?“)
  6. Die Gedanken gehen eigene Wege („Apropos Schildkröten…Suppe…was wollte ich nochmal kochen heute Abend? Muss ich noch einkaufen?“)
  7. Ablenkung durch Facebook, Rechnungen und Co.
  8. „Der erste Satz geht gar nicht!“
  9. Das leere Blatt …

Was kann man dagegen tun?

  1. Die Bergtour:
    Wenn man sich von der Aufgabe überfordert fühlt, lautet das Motto erstmal: Keine Panik. Ruhig bleiben. Durchatmen. Dann den riesigen Berg in kleine Abschnitte unterteilen, die man anschließend Stück für Stück abarbeitet. Die Reihenfolge der Stücke muss nicht logisch sein – Hauptsache man bringt schon mal etwas zu Papier. Denn das hat eine enorm beruhigende Wirkung. Da steht ja schon mal was, der Anfang ist gemacht, der Berg schrumpft. Am Ende kann man dann alle Stücke in die richtige Reihenfolge bringen.
  1. Die drohende Deadline:
    Das Gleiche funktioniert, wenn einem die Zeit im Nacken sitzt. Auch wenn Du unter enormem Zeitdruck abliefern musst, verfall nicht in Schockstarre, sondern greif an: Schreib einfach drauf los und wenn es für den Anfang nur Stichworte sind, die Du am Ende zu Sätzen verbindest. Das nimmt den Druck und macht den Kopf wieder frei zum Denken. So ist es am Ende dann doch ein guter Text, wetten?
  1. Wrestling, Volksmusik, Gartenzwerge …:
    Das Thema ist einfach nicht Dein Ding, lässt sich aber nicht ändern? Dann lautet das Motto: Öffne deinen Geist! Jetzt muss man in die Trickkiste der Kreativtechniken greifen. Altbekannt aber immer noch gut: die Mindmap. Auch dafür gibt es hilfreiche Tools:

mindmap.jpg

 

(http://www.wikimindmap.org/viewmap.php?wiki=de.wikipedia.org&topic=Wrestling)

Hier tun sich meistens Facetten des Themas auf, an die man von selbst niemals gedacht hätte. Und meistens lässt sich daraus etwas machen. Es hilft, die eigene eingeschränkte Perspektive zu erweitern, bringt frische Ideen und eventuell eine genauere Vorstellung davon, was die Zielgruppe interessiert. Der Rest ist Fleißarbeit.

  1. Das Herzblut-Thema:
    Wenn Du Zeit und Raum hast, Dich in epischer Breite über Dein Lieblingsthema auszulassen, ist das ein Traum. Dann nichts wie raus mit dem Wissen! Dann fließt es meiner Erfahrung nach aber auch von ganz allein in die Tasten. Die Blockade entsteht dann, wenn Du versuchst, all Dein Wissen in 400 Wörter zu pressen. Hier lautet das Motto: radikal priorisieren. Was genau ist das Ziel Deines Textes? Was willst Du vermitteln und welche Informationen sind dafür nötig – und vor allem: welche NICHT? Streiche gnadenlos alles, was nicht wirklich zielführend ist. Tipp: Hier helfen die klassischen W-Fragen weiter. Wer, wann, was, wo, warum? Dein E-Book kannst Du dann ja immer noch schreiben. Alles zu seiner Zeit.
  1. Den inneren Kritiker zum Schweigen bringen:
    Mag ja sein, dass Du nicht schreiben kannst (Blödsinn!) aber jetzt muss es eben sein. Also schreib los. Ganz egal wie es klingt und wie fehlerhaft die Grammatik ist. Das lässt sich im Nachhinein alles verbessern. Vergiss die Details und betrachte das große Ganze. Es nutzt Dir nichts, stundenlang an einem Halbsatz zu feilen, wenn Dich das blockiert.

Meine Kollegin Britta hat noch einen anderen Trick in ihrer Anti-Blockade-Kiste: „Weiß auf Weiß“. Passt gut für alle überkritischen Schreiber. Stell die Schriftfarbe auf Weiß, nimm Dir ein Glas Wein (oder eine Tasse Kaffee oder …) und schreib los. Erst wenn Du 20 Minuten eifrig geschrieben hast, darfst Du die Schriftfarbe wieder auf Schwarz ändern und lesen, was da steht. Das Weiß-auf-Weiß-Prinzip hindert Dich genau daran, jeden Halbsatz überkritisch zu bearbeiten sobald er da steht und Dich frech und vermeintlich falsch angrinst.

Bestimmt hast Du früher schon ein paar andere Texte geschrieben, mit denen Du am Ende ganz zufrieden warst. Kram die hervor, lies sie durch und hau sie dem inneren Kritiker um die Ohren. Bäm!

Übrigens: Falls Du Deinen Stil generell verbessern willst, rate ich ganz klassisch zum Lesen. Lies alles, was Dir in die Finger kommt. Blogartikel, Bücher, Zeitschriften. Hilft wirklich!

  1. Nicht vom Weg abkommen:
    Gehörst Du zu denen, die sich gern verzetteln? Dann mach Dir vor dem Schreiben eine Gliederung und halte Dich daran. Egal, was Dir zwischendurch einfällt. Notiere die Gedanken, die abseits des Weges kommen, damit Du sie nicht vergisst, aber schreibe erst Deinen Text zu Ende. Danach kannst Du überlegen, wo und ob Du die notierten Gedanken noch einfügen möchtest. Klappt übrigens auch mit allen anderen Gedanken, die plötzlich auftauchen. Zum Beispiel „Ich wollte doch noch Milch kaufen!“ oder „Ich muss unbedingt meine Mutter mal wieder anrufen …“ Notiere das alles sofort auf einem Zettel, dann ist Dein Hirn frei fürs Schreiben und versucht nicht, sich alles gleichzeitig zu merken und dabei auch noch einen kreativen Text zu produzieren.
  1. Ablenkungen ausschalten:
    Einen guten Text schreibt man nicht nebenbei. Wer ständig von Telefon, E-Mail oder Papieren mit Anforderungscharakter gestört wird, hat nicht die nötige Ruhe, die ein guter Artikel zum Wachsen braucht. Nichts sollte Dich ablenken. Räum die Papierstapel vom Schreibtisch außer Sichtweite und schalte das Handy aus. Ja, auch Facebook und Co. sind für die nächsten vier Stunden tabu.
  1. Den Einstieg zähmen: 
    Sicher hast Du auch schon oft gelesen: Der Anfang muss perfekt sein. Er muss den Leser dazu bringen, weiterlesen zu wollen. Er muss neugierig machen, er soll etwas vom Thema verraten aber nicht zu viel preisgeben. Puh! Eine harte Nuss. Da kann man schon mal ehrfürchtig erstarren. Aber wer sagt eigentlich, dass man immer mit dem Anfang anfangen muss? Steig doch einfach in der Mitte ein oder schreib das Fazit zuerst wenn Dir danach ist. Texten ist eine kreative Arbeit, also folge Deinem Gefühl. Natürlich nur, sofern es Dir nicht rät, alles hinzuwerfen und jetzt doch die Schafzucht in Irland aufzuziehen. Darüber schreiben darfst Du natürlich.

Schafe.jpg

 

  1. Abstand gewinnen:
    Wenn das alles nicht helfen will und Dich die leere Seite immer noch bedrohlich anstarrt, dann hör damit auf, aggressiv zurück zu starren. Geh einfach weg. Geh eine Runde Joggen. Ruf eine Freundin, einen Freund an. Trink einen Kaffee, ein Kölsch, nimm ein Bad oder bring Dich irgendwie auf andere Gedanken. Wichtig ist, dass Du Abstand von Deinem Text bekommst. Manchmal rennt man einfach immer wieder vor die Wand ohne zu bemerken, dass links und rechts gangbare Abzweigungen sind, die man wahrnimmt, sobald man einen Schritt zurück tritt.

Fazit

Schreibblockaden sind lästig aber nicht unlösbar. Atme tief durch, schalte Ablenkungen aus und fang einfach an zu schreiben – auch wenn das vielleicht der Mittelteil des Textes werden wird. Egal! Dann schreibst Du den Anfang eben am Ende wenn Du gerade gut im Fluss bist. Nur inhaltlich musst Du Dich unbedingt an Deine vorher aufgestellte Gliederung halten, sonst riskierst Du die nächste Blockade weil Du vom Hölzchen aufs Stöckchen kommst und Dich verirrst.

Wie Du Content mit oder ohne Briefing erstellst, das erfährst Du in diesem Blogartikel.

Geschrieben von

Elke war bei uns bis 2016 als Online-Redakteurin tätig. Neben allem, was mit Schreiben und Journalismus zu tun hat, sind Umwelt- und Tierschutz ihre Lieblingsthemen.

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Ein Kommentar

Tanja schrieb am 25. Juni, 2015 @ 15:16

Ja, bei dem Artikel hast du vieles auf den Punkt getroffen. Unter Zeitdruck geht bei mir schon mal gar nicht. Wenn der Kopf sich nicht auf das JETZT einloten lässt, dann hilft nur ‚Pause‘ drücken und etwas ganz anderes machen. Was mir oft hilft, die Gedanken gleich aufschreiben. Manchmal ist dann erst der Mittelteil fertig, dann der Schluss und der Anfang kommt am Ende 🙂

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